Erste Frau an der Spitze der Universitätsbibliothek Leipzig

Nachricht vom 25. August 2022, veröffentlicht von der Universität
Leipzig

Dr. Anne Lipp wird ab 1. November dieses Jahres als erste Frau an der Spitze der 1543 gegründeten Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) stehen. Die 54-Jährige tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider an, der im März dieses Jahres in den Ruhestand gegangen ist. Lipp kennt die UBL bereits seit langem durch zahlreiche von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekte, denn sie ist bislang als Leiterin des Förderbereichs Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme der DFG tätig. Vor wenigen Tagen hat Lipp ihren Vertrag mit der Universität Leipzig unterschrieben.

„Ich freue mich sehr, dass Frau Dr. Lipp den erfolgreich eingeschlagenen Weg unserer Universitätsbibliothek fortsetzen wird. Sie ist eine anerkannte Expertin im Bereich der Informationsinfrastrukturen, sagte die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Eva Inés Obergfell. Lipp wird künftig unter anderem eng mit der stellvertretenden UBL-Direktorin Charlotte Bauer zusammenarbeiten. „Ich bin sehr glücklich, dass wir mit Frau Lipp eine so hochqualifizierte Person für uns gewinnen konnten“, betonte Bauer.

In erster Linie reize sie die Bibliothek selbst, vor allem ihr „einzigartiger Bestand“, so die künftige Direktorin der UBL. Besonders attraktiv findet Lipp an der Universitätsbibliothek Leipzig, dass sie aktuelle Entwicklungen in der deutschen Bibliothekslandschaft aktiv mitgestalte und Innovationen in der Informationsversorgung vorantreibe. „Nach so vielen und guten Jahren in der Forschungs- und Infrastrukturförderung, in denen es immer auch darum ging, Rahmenbedingungen für gute Informationsinfrastrukturen durch die Förderung der DFG zu schaffen, finde ich es attraktiv, diesen Prozess nun aus der anderen Perspektive und in einer anderen Rolle mitzugestalten“, sagte die in Siebenbürgen (Rumänien) geborene Lipp, die nach eigenen Worten neugierig auf Leipzig und Sachsen ist.

Dr. Anne Lipp studierte Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft und Germanistik. Sie promovierte in den Geschichtswissenschaften zu einem kulturgeschichtlichen Thema zum Ersten Weltkrieg, war nach dem Studium wissenschaftliche Angestellte an der Universität Tübingen und ist seit 2001 bei der DFG tätig. Dort war sie zunächst mit den Programmen für Sonderforschungsbereiche, DFG-Forschungszentren und mit der ersten Exzellenzinitiative befasst. Seit 2008 übt sie ihre jetzige Tätigkeit aus. Zu den aktuellsten großen Projekten gehört die Auswahl der Konsortien zum Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI).

„Gemeinsam mit den Kolleg:innen in der Universitätsbibliothek und gemeinsam mit der Universität Leipzig möchte ich das bisherige, aus meiner Sicht sehr überzeugende Rollen- und Werteverständnis der Bibliothek fortschreiben und weiterentwickeln“, erklärte die künftige UBL-Chefin. Sie und ihre Kolleg:innen wollen alle Angehörigen der Universität umfassend mit allen benötigten Informationen versorgen und die Bibliothek als Arbeitsort, insbesondere für Studierende, attraktiv halten. Dies sei gerade in Krisensituationen jedweder Art besonders wichtig. „Ich möchte zur strategischen Entwicklung der Universität beitragen, vor allem mit Blick auf eine angestrebte Digitalisierungsstrategie, die Bibliothek als Forschungsbibliothek weiter positionieren und nicht zuletzt die Bibliothek auch als Wissens- und Kultureinrichtung sowie als Begegnungsort für den wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Diskurs in Leipzig und Sachsen profilieren“, sagte Lipp. Im Kontext der Bibliothekslandschaft insgesamt bedeute das, die Grundlagen der Informationsversorgung aktiv mit zu entwickeln, die immer wichtiger werdenden Selbstorganisationsprozesse unter wissenschaftlichen Bibliotheken zu befördern und dafür die notwendigen Drittmittel einzuwerben.

Die Tatsache, dass sie seit 1543 die erste Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig wird, sollte „heutzutage eigentlich keine Erwähnung mehr wert sein“, betont Anne Lipp. Trotzdem gefalle ihr dieses „kleine biographische Detail“ gerade als Historikerin gut.

Susann Huster